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Warum werden wir immer fettleibiger?

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In Deutschland und den USA hat sich der Anteil der Menschen mit Fettleibigkeit in den letzten 20 -30 Jahren ungefähr verdoppelt! Dieser schnelle Anstieg alarmiert die Gesellschaft. Doch wie kann dem Entgegengewirkt werden? Was hat das Zuckerbashing, Fettsparen, Lightgetränke und Co. damit zu tun?


Warum werden wir immer fettleibiger?

In Deutschland und den USA hat sich der Anteil der Menschen mit Fettleibigkeit in den letzten 20 -30 Jahren ungefähr verdoppelt, d.h. dass das Körpergewicht geteilt durch die Größe im Quadrat (=BMI) also höher als 30 liegt. Dieser schnelle Anstieg alarmiert die Gesellschaft und dementsprechend wird in der Öffentlichkeit nach den Ursachen gefahndet. 

Während moderates Übergewicht mit einem BMI von 25- 30 bestenfalls kaum oder nur mit geringen negativen Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft verknüpft zu sein scheint, liegen die gesundheitlichen Kosten bei starken Übergewicht dagegen deutlich höher. Deshalb ist der Verdoppelung der Fettleibigkeit innerhalb einer Generation in der Tat ein alarmierender Tatbestand, dessen Ursachen erforscht und Lösungen erarbeitet werden müssen.

Ernährungsideen gegen Fettleibigkeit in den Medien

Leider wird dieses wichtige Anliegen in der öffentlichen Debatte meist sehr dilettantisch und mit viel Aktionismus angegangen. Das betrifft häufig auch die öffentlich-rechtlichen Sender, sowie viele seriösen Zeitungen, die der Quote willen unseren Hang zu einfachen Antworten und Alarmismus bedienen. Es sei an dieser Stelle an die hysterische Verteufelung der Fette erinnert, die vor dem Zuckerbashing im Mode war. Aber genauso wenig wie Light-Produkte und das Fettsparen den Anstieg der Fettleibigen aufhalten konnte, werden zuckerreduzierte allein Produkte nicht die Wende bringen.

Warum nicht? Die Daten zeigen eindeutig, dass die fehlende Kennzeichnung von Lebensmitteln oder die Verteufelung einzelner Lebensmittel oder eines Stoffs nicht die entscheidende Ursache sein können. Mit einer kurzen Recherche kann jeder sofort die dafür notwendigen Daten dank des Internets erheben! 

Warum Light-Produkte, Zuckerbashing, Fettsparen und Co. den Anstieg der Fettleibigen nicht aufhalten können...

Hier nur ein paar Beispiele, die die Komplexität des Problems Fettleibigkeit aufzeigen:

- In Japan beträgt der Anteil der fettleibigen Menschen nur 3,7%. Die Japaner essen anteilig mehr Kohlenhydrate als wir und haben noch nicht einmal eine verpflichtende  Kennzeichnung von Zucker. 

- Die Niederländer essen pro Kopf genau viel Zucker wie die Deutschen, aber der Anteil der fettleibigen Menschen liegt trotzdem nur halb so hoch. 

- Die Industrieländer sind sehr unterschiedlich davon betroffen. Italien konnte sich als eines der wenigen Ländern dem Trend zur Fettleibigkeit entziehen und liegt heute wie vor 30 Jahren bei ca. 10% der Bevölkerung.

- In Deutschland ist der Zuckerkonsum seit ungefähr 50 Jahren gleich geblieben und in den USA ist er sogar seit 20 Jahren um gute 10% gefallen. 

Der Neurowissenschaftler und Übergewichtsforscher Stephan J. Guyenet hat sich mit dieser Grafik in die öffentliche Debatte eingemischt, um dem Hang zur Vereinfachung und Aktionismus entgegen zuwirken. Er will damit nicht sagen, dass Zucker keinen Anteil an der grassierenden Fettleibigkeit in den USA hat, sondern dass es viele weitere Gründe dafür gibt.

Fettleibigkeit - Was also dagegen tun?

Ein Umdenken ist nötig, denn die Verteufelung oder Verherrlichung einzelner Lebensmittel oder Stoffe ist ein völlig unzureichender Ansatz, um Gesundheit und Übergewicht zu verstehen. Das seit vielen Jahrzehnten propagierte „iss mehr diese 10 Lebensmittel und meide jene“, hat nachweislich keine Wirkung auf den Trend zur Fettleibigkeit gehabt. Die Adipositastherapie steckt in einer Sackgasse, denn es gibt keine nachhaltigen erfolgreichen nicht invasiven Therapien. Über längere Zeiträume gesehen, nehmen fast alle Menschen das zuvor mühsam abgespeckte Gewicht wieder zu. 

Das ist kein Plädoyer dafür, dass es keine gesetzlichen Auflagen und Bestimmungen geben sollte. Es könnte durchaus sinnvoll sein, dass Softgetränke und Lebensmittelwerbung bestimmten Auflagen unterworfen sind. Nur sollten wir nicht die Erwartung haben, dass solche Regelungen alleine helfen werden.

Was könnte langfristig gegen diesen Trend helfen?

Bereits die obigen Daten verdeutlichen, dass soziale, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren einen gewichtigen Einfluss haben müssen. Das Problem des Übergewichts ist eben auch eine gesellschaftliche Aufgabe, denn unsere Mobilitätskonzepte machen z. B. die Fortbewegung zu Fuß und Fahrrad in den Städten unattraktiv. Zukünftig sollten wir unsere Städte so gestalten, dass sich Menschen gerne und sicher darin bewegen können und gemeinsame öffentlichen Begegnungsräume entstehen. Denn auch Einsamkeit und Abhängigkeit scheinen wichtige Treiber für Übergewicht zu sein, denn im Gegensatz zu einzelnen Lebensmitteln finden sich deutlich größere Korrelationen zwischen Armut und Übergewicht.

Fazit zur Fettleibigkeit

Die Wirklichkeit ist hochkomplex und deshalb wird es keine einfachen Lösungen gegen die zunehmende Fettleibigkeit geben. Wir sind eben keine rationalen Maschinen, so dass es für die meisten Menschen nicht möglich ist, einfach weniger zu essen und sich mehr zu bewegen. Wir unterliegen vielfältigen Einflüssen der Gesellschaft und unsere Gewohnheiten und Gelüste steuern unser Verhalten oft unbewusst in die falsche Richtung.

 

Herzliche Grüße,

Euer Daniel!